10.08
2020

Mit Teamgeist, Durchhaltevermögen und Spaß dem Virus trotzen

Ausgangsverbot, Besuchsverbot, verschärfte Abstands- und Hygieneregeln – hinter den Bewohnern und Mitarbeitern der SRH Pflege Heidelberg liegen Monate im Ausnahmezustand. Wie es gelang, die Einrichtung für junge pflegebedürftige Menschen Corona-frei zu halten, wie die Bewohner mit der Situation umgingen und warum viele der strengen Regeln erst einmal nicht gelockert werden, erzählt Heimleiterin Judith Schüttler.

Judith Schüttler ist Heimleitung und leitet den Sozialdienst in der SRH Pflege Heidelberg.

Wie andere Betreuungseinrichtungen musste die SRH Pflege Heidelberg sehr früh Regelungen treffen, um zu verhindern, dass sich Covid-19 ausbreitet. Die SRH Pflege ist Teil der SRH Berufliche Rehabilitation Heidelberg und unterstützt seit über 40 Jahren junge Erwachsene mit körperlichen Einschränkungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Das Angebot erstreckt sich von der stationären bis hin zur ambulanten Pflege einschließlich der Individualbetreuung. Ziel ist es, jedem ein eigenverantwortliches Leben in selbstbestimmter Umgebung zu ermöglichen. Die individuelle Freiheit der meist jungen Bewohner ist ein wesentlicher Teil des Angebots. Von einem auf den anderen Tag war das nicht mehr möglich. „Wir mussten sehr schnell reagieren. Und gerade weil die individuelle Freiheit und Gestaltung des Alltags entscheidend ist, haben wir die Bewohner direkt mit ins Boot genommen und die Maßnahmen erklärt. Nur so haben wir es geschafft, dass die meisten all die Einschränkungen mitgetragen haben“, erklärt Judith Schüttler.

Und die Einschränkungen waren deutlich: Während die Maskenpflicht mittlerweile Teil des Alltags ist, machte vor allem das Besuchs- und Ausgangsverbot den Bewohnerinnen und Bewohnern zu schaffen. Außerdem fiel das gemeinsame Essen weg, jeder bekam die Mahlzeiten aufs Zimmer.  Deshalb war Abwechslung wichtig: Statt mit Angeboten in der Gruppe haben die Alltagsbegleiter und Ergotherapeuten sich für jeden Einzelnen neue Aktivitäten einfallen lassen – ein Stück Spaß im Lockdown-Alltag.

Um das Infektionsrisiko klein zu halten, wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits bei geringen Symptomen nach Hause geschickt und flächendeckend getestet. Kolleginnen und Kollegen haben sich auch privat sehr eingeschränkt. Das Konzept, das Haus nach außen abzuschirmen, um den Mitarbeitern und Bewohnern innerhalb der Einrichtung ein möglichst freien Alltag zu ermöglichen, ging auf. „In den letzten Wochen ist unter den Kollegen aus allen Bereichen ein toller Zusammenhalt entstanden. Wir können alle stolz sein, dass wir es gemeinsam geschafft haben, bisher ohne eine Infektion durch die schwierige Zeit zu kommen“, unterstreicht Schüttler.

Während im öffentlichen Leben nach und nach Lockerungen Einzug halten, werben die Verantwortlichen der SRH Pflege bei Bewohnern und Angehörigen dafür, die strengen Hygieneregeln beizubehalten. „Alle unsere Bewohner gehören zur Risikogruppe, da gibt es keine Ausnahme. Umso vorsichtiger müssen wir mit Lockerungen sein“, unterstreicht Schüttler.

Immerhin sind soziale Kontakte wieder möglich: Für Besuche hat das Team ein  extra Zimmer und einen Außenbereich gestaltet. Besucher müssen sich lediglich anmelden und an die Hygieneregeln halten. Auch die Neuaufnahme von Bewohnern ist mit einem negativen Covid-Testergebnis oder unter Einhaltung einer Quarantäne möglich.

Bei all den weitreichenden Auswirkungen kann Judith Schüttler der Krise auch positive Seiten abgewinnen. So habe sich im Team und mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ein großer Zusammenhalt entwickelt. Und die Pflege hat insgesamt einen neuen Stellenwert bekommen: „In dem ein oder anderen Vorstellungsgespräch erzählen uns angehende Pflegehelfer, dass sie sich bewerben, weil sie durch die Krise den Bedarf in der Pflege wahrgenommen haben und mitanpacken wollen.“

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